Vom Vereinsmeister zum Weltmeister - Schießsport in Hambach

Die Schützengesellschaft Hambach hat sich aus kleinen Anfängen heraus zwischenzeitlich zu einem beachtlichen Verein entwickelt, der einen festen Platz im sportlichen und geselligen Bereich unseres Dorfes einnimmt.

Es waren 13 schießsportbegeisterte Bürgerinnen und Bürger, die am 2. März 1963 den Mut hatten, eine Vereinsgründung vorzunehmen. Bereits an diesem Tage konnte eine Satzung verabschiedet und ein erster Vorstand gewählt werden. In ihn wurden berufen:
Hans Lindner, Präsident; Manfred Weber, 1. Vorsitzender und Oberschützenmeister; Werner Ott, 2. Vorsitzender; Herbert Feickert, Schatzmeister; Otto Haegele, Schriftführer; Erhard Kühnast, Sportwart; Walter Killet, Jugendwart.

Für den Verein war es kein leichter Start, denn dem Schießsport fehlte in Hambach die langjährige Tradition. Ein Schützengilde, Schützenbrüderschaft oder etwas Ähnliches war früher hier nicht bekannt. Erst der Krieger- und Waffenbrüderverein – ursprünglich zwei nach 1870 gegründete Veteranenvereine, die nach dem 1. Weltkrieg fusionierten – hatten sich um das Jahr 1930 bemüht, für seine jungen Mitglieder in Hambach eine Schießanlage einzurichten. Zu diesem Zweck konnte schließlich 1931 ein entsprechendes Grundstück auf dem Heidelberg erworben und ein Schießstand mit einer 50-Meter-Bahn errichtet werden.

Im Neustadter Stadt- und Dorfanzeiger war bereits im September 1932 zu lesen, dass auf diesem Platz ein großes Schützenfest verbunden mit einem Preisschießen stattfinden wird. Um den Schießsport zu pflegen und zu fördern, soll für alle der Zutritt frei sein. Einige Tage später berichtete die gleiche Zeitung von diesem Fest wie folgt:
Vom schönsten Wetter begünstigt, hielt der Krieger- und Waffenbrüderverein auf seinem wunderbar gelegenen Schießplatz am Heidelberg ein großes Schießen ab. Unter Vorantritt der Hambacher Musikkapelle zog man hinauf zum Festplatz, wo sich bald ein frohes Treiben entwickelte. Ein starker Andrang an den Schießständen setzte ein ... . In seiner Festrede wies Oberlehrer Sattler auf die Notwendigkeit des Schießsportes hin. Im Auftrag des Prinzen Alfons von Bayern überreichte der 1. Vorsitzende Links dem Schützenmeister Peter Mohr, sowie dem Jungkameraden Frd. Kreuzer das Prinz-Alfons-Ehrenzeichen... . Der Verein kann stolz sein auf sein Fest.

Der Schießstand wurde im gleichen Jahr zu einem kleinen Schützenhaus erweitert. Nach Einstellung des Schießbetriebes während des Krieges diente das Gebäude einige Jahre noch als Wohnung und ist heute ungenutzt.

Die Schützengesellschaft hatte unmittelbar nach der Gründung sich das vordringliche Ziel gesetzt, eine neue Schießanlage in Hambach zu errichtet. Die Männer der ersten Stunde packten die Aufgabe tatkräftig an. Präsident Hans Lindner hatte bereits vorher das Gelände mit dem alten Schützenhaus auf dem Heidelberg erworben und war bereit, es dem Verein zu Verfügung zu stellen. Eingehende Untersuchungen ergaben jedoch, dass große und kostenträchtige Erdbewegungen notwendig gewesen wären, um dort eine neu konzipierte Schießanlage erstellen zu können. Aus diesem Grunde suchte man nach einem anderen Standort und fand das Gelände mit dem aufgelassenen Steinbruch des Xaver Hohweiler am Römerweg. Dort waren die Voraussetzungen günstiger, und es konnte eine rasche Entscheidung für diesen Standort getroffen werden. Nachdem der Eigentümer bereit war, einen entsprechenden Pachtvertrag abzuschließen und die Gemeinde Hambach den Platz akzeptiert hatte, wurden die Baupläne für die Schießanlage und einen Aufenthaltsraum entwickelt. Nach Eingang der Baugenehmigung 1964 wurde mit viel Eigenleistung die Maßnahme in Angriff genommen; bereits im September 1965 war der Luftgewehrraum fertiggestellt, die übrigen Schießstände konnten kurze Zeit später in Betrieb genommen werden. Für den Schützenbetrieb standen dann 15 Luftgewehr- und 10 Gebrauchspistolenstände zur Verfügung. An den Räumen, insbesondere dem Aufenthaltsraum wurde mit Elan weitergebaut; viele Schützenbrüder opferten ihre Zeit und verbrachten jede freie Minute an dem Bau. Im September 1966 konnte auch dieser Gebäudeteil fertiggestellt und mit einem Preisschießen eröffnet werden. Bei der festlichen Inbetriebnahme wurde darauf hingewiesen, dass sich die Schützengesellschaft seit ihrem Bestehen gut entwickelt habe, eine gemeinschaftsbildende Kraft besitze und das Für- und Miteinander im Verein sehr ausgeprägt sei.
In den nächsten Jahren wurde die Schießanlage nach und nach verbessert, z.B. durch einen damals sehr modernen SPIETH-Pistolenstand. Im Jahre 1989 kam es zu einem Einschnitt, nachdem der Eigentümer den Pachtvertrag über das Gelände am Steinbruch nicht mehr verlängerte und das Grundstück anderweitig zum Verkauf anbot. In enger Kooperation mit der Stadt Neustadt und durch die Verhandlungen des damaligen Bürgermeisters Georg Jungmann wurde es nach langen Bemühungen zuletzt möglich, den Verbleib der 26000m² umfassende Fläche zu einem annehmbaren Preis durch den Verein am gleichen Ort zu gewährleisten. Damit war die Schützengesellschaft Hambach für die Zukunft gut gerüstet.
Zunächst wurde das Gelände eingezäunt und besondere Maßnahmen wie der Bau von Begrenzungsmauern und Hochblenden an den Schießbahnen, sowie die Erhöhung der seitlichen Begrenzungswände nach einem sicherheitstechnischen Gutachten durchgeführt. Danach wurde die endgültige Genehmigung der Schießanlage für Faustfeuerwaffen bis einschließlich Kaliber .45 erteilt.
Viele Überlegungen und Pläne waren notwendig, um ein funktionstüchtiges, architektonisch ansprechendes und finanziell tragbares Schützenhaus bauen zu können. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im November 2000 konnte endlich der vorliegende Plan beschlossen und dem Kauf eines Fertigteilhauses zugestimmt werden, da die Möglichkeit das Ausbaues durch Eigenhilfe gegeben war. Im Jahre 2001 wurde mit dem Bau begonnen. Rund ein Drittel der Baukosten wurden durch Eigenleistungen der Mitglieder eingespart. Dies stellt eine außerordentliche Leistung dar, die zu würdigen ist. Dank dieser Eigenhilfe, der Fördermitteln des Sportbundes Pfalz und der Stadt Neustadt an der Weinstraße konnten die finanziellen Belastungen des Vereins für das Schützenhaus in einem tragbaren Rahmen gehalten werden.
Die Fertigstellung des Gebäudes war ein Meilenstein in der Geschichte des Vereins. Heute präsentiert sich das neue Schützenhaus in gefälliger Form und vorbildlich angepasst an die es umgebende Waldlandschaft. Es umfasst 150m² Grundfläche und wird auch in Zukunft der Mittelpunkt im Vereinsleben sein. Dabei werden auch Geselligkeit und Humor nicht zu kurz kommen. Aber sicher immer unter Beachtung des alten Schützenspruches:
'Sichere Hand und ruhig Blut, tut jedem wahren Schützen gut, trinken soll er, jedoch nicht saufen und aufrecht stets nach Hause laufen.'
Ohne den Rückhalt einer guten Vereinsorganisation wäre die über 50-jährige Aufbauarbeit nicht möglich gewesen. Stets standen Männer an der Spritze, die verantwortungsvoll und weiterschauend den Verein geleitet haben, beginnend mit dem Gründungspräsidenten Hans Lindner und seinem Nachfolger Walter Grieshaber. Seine Arbeit wurde von Kurt Frühbis bis 1986 fortgesetzt; ihm folgte Helmut Mechnig, der das Grundstücksproblem meisterte und bis 1992 in diesem Amt tätig war. Danach wurde Emil Bauer 1. Vorsitzender und Oberschützenmeister. Vor allem seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass das Schützenhaus realisiert werden konnte.

Die Schützengesellschaft hat in den über fünf Jahrzehnten ihres Bestehens viele sportliche Erfolge erzielt, die man nicht alle aufzählen kann. Mit zahlreichen Siegen und hervorragenden Plätzen bei Kreis-, Landes- und Deutschen Meisterschaften stellten die Hambacher Schützen ihr vielfältiges Können unter Beweis.

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Überragende und außergewöhnliche Leistungen hat in den letzten Jahren der Schützenbruder Karl-Ludwig Hammann erbracht. Er schaffte tatsächlich den großen Sprung vom Vereinsmeister in Hambach zum Weltmeister. Einige seiner Erfolge seien hier genannt: Deutscher Meister mit der Perkussionspistole 1994, Deutscher Meister mit der Steinschloss-Pistole 1999. Seit 1997 ist er Mitglied der deutschen Nationalmannschaft der Vorderlader-Schützen, und im gleichen Jahr wurde er Europameister in Holland.1998 Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Deutschland.

Im Jahr 2000 wurde er Weltmeister mit der Mannschaft und zugleich Weltmeister in der Einzelwertung. Alle Titel zusammen ergeben 3 Bronze-, Silber- und 6 Goldmedaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften. Dazu kommen rund 30 erste Plätze bei Landes- und sonstigen Wettbewerben. Mit Stolz kann die Schützengesellschaft darauf verweisen, dass ihr Mitglied Karl-Ludwig Hammann Außerordentliches im deutschen Schießsport geleistet hat. Der sportliche Geist und die Solidarität im Verein haben sicher mit dazu beigetragen, die Erfolge des Aktiven zu ermöglichen.
Von 2004 - 2008 übernahm Reinhard Kerscher die Leitung des Vereins. In dieser Zeit wurde 2005 der Luftdruckstand überdacht, ebenso wurden elektrische Scheibenzuganlagen montiert, die durch Spenden von Vereinsmitgliedern finanziert werden konnten.
Ab 2008 folgte Harald Treber als Vereinsvorsitzender. Unter seiner Führung wurde 2011 der Kugelfang für Groß- und Kleinkaliberwaffen modernisiert. Dieses Bauvorhaben wurde vom Sportbund Pfalz und der Stadt Neustadt großzügig unterstützt. 2012 entstand auf dem Gelände der SG Hambach eine 34 Meter hohe Funkanlage der Telekom. Durch die Einnahmen aus dem derzeit bestehenden Pachtvertrag, der eine Laufzeit von 20 Jahren mit Option hat, ist der Fortbestand der SG Hambach für die Zukunft gut abgesichert.

2013 fand die große 50-Jahr-Feier in der Turnhalle des TV Hambach statt (siehe hierzu auch separaten Bericht). Unter der Leitung von OSM Treber und unseres ehemaligen Ortsvorstehers Klaus Göring feierten ca. 350 Gäste, darunter zahlreiche Vertreter aus Politik und Sport, eine sehr gelungene Veranstaltung. Das Jubiläumsfest wurde vom Hambacher Feuerwehrmusikzug und dem Singverein Hambach musikalisch begleitet.

Für die Zukunft ist die Ausweitung der sportlichen Möglichkeiten der SG Hambach durch Errichtung von 2 Bogenschießbahnen geplant.

 

Die Schützengesellschaft hat nun das Alter von über 50 Jahren bei guter Konstitution und Kondition erreicht. Mit Zuversicht kann sie in die Zukunft schauen.

 

 

 

 

 

 

 

 
 
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